Natürlich hat alles das hier eine Vorgeschichte, und alles was kommt, ist ohne die wahrscheinlich nicht zu verstehen. Deshalb muß ich ein wenig nachholen.
Angefangen hat alles eigentlich bei einer Serie von Kindercartoons. Es waren sechs Bände, die ich gezeichnet habe, und die unter dem Namen “Quips” beim Röser-Verlag veröffentlicht habe. Dabei ging es von der Geschichte her um einen kleinen Tümpel, in dem Lurche und Insekten einen fürchterlichen Krieg führten. Irgendwann jedoch befriedeten sie sich, und es kam zum Tümpelsteiner Abkommen, in dem sich unter anderem die Frösche dazu verpflichteten, nie wieder Insekten zu fressen. Nun ja, genug Material, um witzige und freche Geschichten zu erzählen. Voller Anspielungen auf Geschichte und allzu Menschlichem.
Naja, aber die Anspielungen verstand eben die Klientel, für die die Hefte gemacht waren, nicht wirklich
!!! Vorschulalter ist nicht zwingend die richtige Zielgruppe. Wenn die Eintagsfliege anfängt verzweifelt zu heulen, weil ein Frosch sich bei ihr verabschiedet mit dem freundlichen Gruß: “Na denn, bis morgen.” versteht das eine Dreijährige dann doch noch nicht.
Nach 6 Heften und 1,5 Jahren Arbeit hatte ich das dann auch kapiert. Aber egal, meine Geschichten hatte ich ja gezeichnet, und das war ja auch schonmal was.
Und das ist eigentlich das, was mich am Cartoon am meisten faszinierte. Figuren und kleine Welten zu erfinden. Und die miteinander agieren zu lassen.
Jedoch produzierte TV zu der Zeit ein Überangebot an eben diesen Figuren und diesen künstlichen Welten. Das Ganze verlor irgendwie seinen Reiz. Es war zu inflationär. Jedes Tier, das man sich für seine Stories aussuchen konnte, gab es bereits in dutzendfachen Variationen, und es entspricht einfach nicht meinem Ego, einer von vielen zu sein
Also habe ich mir gedacht, warum nicht Figuren nehmen, die es schon gibt, und die einfach uminterpretieren. Hm, klingt ein wenig Intelektuell, ist es aber auch
Sorry, da müßt ihr durch.
Als Werber, der ich dann ja auch irgendwann mal geworden bin, kennt man ja den Begriff des Images. Und das ist ja nicht etwas, was man nur für Waschmittel erfindet, sondern auch für Menschen, insbesondere die, die in den Medien stehen.
Das fand ich spannend. Zumal mich immer schon das Verhältnis von Schein und Sein interessierte.
Was würden Menschen tun, wenn sie sich selber in eine beliebige Figur versetzen könnten? Wer würden sie sein wollen, und vor allem, was würden sie machen wollen.
Daraus entstand ein Projekt unter dem namen Chattoon. Wir haben ein Internetforum zweckentfremdet. Jeder Teilnehmer konnte eine Figur sein, die ich ihm dann entworfen habe. Die Geschichte wurde einfach weitergeschrieben. Einer fing an und der Nächste erzählte die Story aus seiner Sicht weiter. Die letztendliche Fassung habe ich dann als Cartoon gezeichnet.
Das Ganze verlief sich leider dann in Belanglosigkeit, weil ihm dann doch soetwas wie Dramaturgie und spannenden Wendungen fehlte. Die Story plätscherte irgendwann vor sich hin.